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Monatsarchiv für Januar 2007

Mein Baum

13. Januar 2007 08:53

Mein Baum

Jetzt wo sich die Blätter wieder rot und golden färbten, die einsame und traurige Zeit wieder begann, merkte ich, wie einsam ich war. Kinder hatte ich keine und auch meine Freunde hatte ich schon vor Jahren verloren. Im September zog es mich immer wieder in die Ferne. Nie konnte ich in der Zeit an einem Ort bleiben. Ich merkte, dass mir mein Baum fehlte, aber das wurde mir erst jetzt bewusst. „Dies wird wohl meine letzte Reise werden“, dachte ich als ich meine Koffer packte und mich auf den Weg machte. Auch ich war nicht mehr jung. Es hatte sich einiges in den Jahren angesammelt während ich unterwegs gewesen war, aber das alles hatte heute kaum noch Bedeutung. Das einzigste wonach ich mich sehnte, war er.
Auch wenn ich dachte, dass ich ihn über die Jahre vergessen hatte, war er lediglich im Bewusstsein zurückgetreten, denn immer im September zog es mich wieder hin zu ihm. Aber dem hatte ich die letzten Jahre nicht nachgegeben, denn ich wollte es nicht wahrhaben, dass er es war, der mir fehlte. Ich war viel in der Welt herumgereist, doch dieses Jahr spürte ich, dass etwas anders war. Es hatte seine Zeit gebraucht bis mir klar wurde was es war. Es war mein Baum der mich brauchte, so wie ich ihn brauchte, all die Jahre, auch wenn ich es nicht wahr haben wollte.

Also machte ich mich wieder auf die Reise, zu ihm, denn ich hatte das Gefühl, dass es ihm nicht gut ging. Er schien die letzten Jahre auch zu kränkeln, da er nicht mehr meine Aufmerksamkeit bekam, wie er sie verdient hatte. Ich reiste wieder gen Heimat. Unterwegs dachte ich viel über meinen Baum nach und mir fiel auf, dass ich mich das erste mal seit Jahren wieder intensiv mit ihm beschäftigte. Je näher ich meinem Baum kam umso ruhiger und gelassener wurde ich. Ich merkte, dass er mir immer noch meine Kraft wieder geben konnte, selbst jetzt wo er kränkelte, aber das sollte sich ändern, sobald ich bei ihm war. Ich wollte ihn wieder pflegen und behüten, so dass er noch viele Jahre leben würde.
Ich habe mir viel im Leben kaputt gemacht, aber mein Baum hat mir immer wieder geholfen und nun war ich es ihm schuldig. Ich ließ während meiner Reise mein Leben Revue passieren und stellte dabei fest, dass ich ein sehr bewegtes Leben hatte, was sich nun dem Ende neigte. Es war viele Jahre her, dass ich das letzte mal bei meinem Baum gewesen war, woran nicht nur mein Lebenswandel schuld war, sondern auch mein Eigensinn. Ich konnte mir nicht eingestehen, wie wichtig er für mich war und dies hatte sich nun gerächt. Ich spürte wie ich meinem Ziel immer näher kam, es konnte nicht mehr weit sein bis ich meinen Baum endlich wieder erblickte.

„Oh je, was ist denn hier passiert?“ Verwundert schaute ich mich um, als ich den parkähnlichen Garten meines Elternhauses betrat. Der Garten hatte sich seit meinem letzten Besuch stark verändert. Da wurde mir erst bewusst wie lange ich nicht mehr in meinem Elternhaus gewesen war. Ich hatte es nach einem Streit mit meinen Eltern in jungen Jahren verlassen und war nie wieder hier her zurückgekehrt, bis heute. Inzwischen waren über 40 Jahre vergangen und meine Eltern lebten nicht mehr, sie waren vor einigen Jahren verstorben. Wir hatten zwar telefonisch Kontakt gehalten, aber auch der war sehr selten gewesen, denn sie verziehen mir nicht, dass ich sie als einzigstes Kind damals allein ließ.
Zu Ihrer Beerdigung war ich dann doch hingefahren, sie waren durch einen Unfall ums Leben gekommen. In Ihrem Testament hatten meine Eltern festgelegt, dass ich das Haus mit dem Garten erhalten sollte. Aber ich wollte damals noch nicht zurück in mein Elternhaus, irgend etwas hielt mich davon ab, wenn ich auch bis heute nicht sagen kann, was es war. Und heute war ich das erste mal wieder zuhause. Aber es war nicht mehr mein Zuhause. Ich hatte das Haus damals mit dem Garten vermietet. Die Mieter haben sehr viel verändert, nur die Bäume haben sie stehen gelassen, aber sich auch kaum um sie gekümmert.
Da stand er nun, mein Baum. Noch immer gerade gewachsen und auch sehr stämmig, denn er war schon alt, wenn auch nicht für einen Baum gerechnet. Er war mein Baum geworden, weil mein Vater ihn zu meiner Geburt im Garten pflanzte und sich die ersten Jahre darum kümmerte, bis ich mich um den Baum kümmern konnte. Nach meinem Fortgang kümmerte vermutlich mein Vater sich wieder um ihn. Ich setzte mich unter meinen Baum in das Gras und dachte an die Vergangenheit, wie ich mein Leben hier verbracht hatte. Ich schloss die Augen und ruhte ein wenig am Baum. Dann holte ich mir die Gartengeräte aus dem Schuppen und verhalf ihm zu mehr Platz. Mein Baum erholte sich langsam, was ich mehr spürte als sah. Nach getaner Arbeit lehnte ich mich wieder an ihn, schloss wieder die Augen und beschloss, morgen zum Notar zu gehen, um mein Testament zu hinterlegen.

geschrieben von Silvya Markwardt Oktober 2002